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Römische Periode

Bis 430 nach Christus
Einer der in Oberelvenich gefundenen Matronensteine

Diese Seite stellt informativ und ohne wissenschaftlichen Anspruch einen Auszug aus unserem Wissen über Oberelvenich zusammen.

Wir verzichten bewusst auf korrekte Zitationen, legen bei Bedarf aber gerne unsere Quellen offen.

Römische Wurzeln

Wenn es um Zülpich geht, gibt es einen hochinteressanten Zusammenhang mit Tolbiacum, dem Hof des Tolbios. Später entwickelte sich aus dem -acum das -ich, was wiederum für "der Hof von..." steht. So wollte man in der nachrömischen Zeit die alten Namenskonventionen auslöschen und durch keltische Bedeutungen ersetzen. Dies galt nicht nur für Zülpich selbst, sondern auch für die umgebenden Höfe, wie beispielsweise Elvenich.


In römischer Zeit war das Zentrum Zülpich von etwas mehr als einem Dutzend Höfe als Schutzring und zur Versorgung versehen. Wer die Orte um Zülpich herum durchzählt, die auch "-ich" enden, bekommt man dieses Dutzend zusammen. Hierbei darf man "Nieder-Elvenich" nicht mitzählen, weil es viele Jahrhunderte nach (Ober-)Elvenich gegründet wurde.


Der Name "Elvenich" wiederum wird auf den Personennamen "Albinus" zurückgeführt, der aus verschiedenen Inschriften hier schon aus römischer Zeit bekannt ist. Schuermann führte aus, dass er in der Nähe des Ortes eine Inschrift mit dem Namen "Claudius Albinus" gefunden hat. Der Name "Albinuas Januaris" fand sie wiederum auf dem Henkel eines Weinkruges.


Dr. Margau, Dr. Esser und andere waren sich einig, dass Elvenich zur ligurischen/gallischen Zeit (ca. 2000 v.Chr. bis Christi Geburt, vermutlich sesshaft ab ca. 200 v.Chr.) nicht existierte. Zu jener Zeit wurden aber bereits Orte, wie Vlatten, Elsig, Arloff und andere in der Umgebung gegründet.


Irritierend ist aber, dass die Silbe „Elv“ dem ligurischen „Alb“ entsprechen solle, was auf ligurische Wurzeln verweisen soll.


In den ersten Erwähnungen des Ortes (855) traten parallel zwei Namensformen in Erscheinung („Albinich“ und „Albiniacum“).


Es ist davon auszugehen, dass in Oberelvenich zur römischen Zeit eine befestigte Anlage existierte, die Teil des Schutzringes um Tolbiacum (Zülpich) war. Zu diesen Forts/Befestigungen gehörten gut ein Dutzend Orte, deren Namen heute auf „ich“ enden. Neben (Ober-)elvenich waren dies Nemmenich, Ülpenich, Lövenich, Linzenich, Firmenich, Virnich, Bürvenich, Merzenich, Füssenich, Bessenich, Sievernich, Disternich, Rövenich, Boulich (Anm.: es gibt heute eine Burg Boulich in Wichterich) und Wichterich.


Dieser Schutzring wurde wohl zur Zeit von Kaiser Valentinian I (364 n.Chr. bis 375 n.Chr.) angelegt. Dazu berichtete der Geschichtsschreiber Marcellinus, dass Kaiser Valentinian außer vielen großen Festungen eine Menge kleinerer Bollwerke linksrheinisch zum Schutz der Römerstraßen anlegen ließ.


Die Forts waren darauf angewiesen, sich selbst zu versorgen. Daher ist davon auszugehen, dass sich im direkten Umfeld der Forts kleinere Siedlungen entwickelten, aus denen die heutigen Dörfer hervorgingen. Beispielsweise betrifft dies auch den Hof Albinich oder Albiniacum.

Bekannte Chronologie

430

Die Einfälle der Franken in das Rheinland mehrten sich, während der Einfluss des römischen Reiches auf die Rheinprovinz immer weiter nachließ. Gegen 430 war die römische Herrschaft im Rheinland zu Ende.


855

Die erste belastbare namentliche Erwähnung des Ortsnamens "Albinich" ist in einer Schenkungsurkunde des Hofes des Albinich zu finden.

Matronensteine

In Oberelvenich fand man 1870 vier stark beschädigte Matronensteine. Diese wurden nach Bonn in Provinzialmuseum gebracht.
Die Votivsteine zeigten einen neuen Matronenbeinamen: Albiahenis.

Einer der Steine zeigt drei Matronen in traditioneller Tracht auf einer Steinbank sitzend. Dieser Stein wurde vermeidlich vor zwei Frauen, Iustina und Vera Terentiae gestiftet. Eine Inschrift zeigt: „Matronis Albiahenis Terentiae Iustina et Vera VSLM.“

Die Inschrift "VSLM" steht für votum solvit lubens merito (hat (haben) ein Gelübde freudig und nach Verdienst gelöst).

Ein zweiter Stein wurde stärker beschädigt gefunden und zeigte nur noch einen Bruchteil eines Matronenbildes.

Vom dritten Altar der Matronae Albiahenae wurde nur noch das stark bestoßene Oberteil mit einer Inschrift die Jahrhunderte gefunden. Eine Inschrift deutet auf die Stifter mit den keltischen Namen Lucillius Dagionius und Firmanus Dagionus hin.

Die Fundstelle ist in den Bonner Jahrbüchern mit „im sogenannten Heidenfelde“ angegeben. Schon Peter Simon stellte fest, dass es ein sogenanntes Heidenfeld in Oberelvenich aber nicht gab. Trotzdem wurde das „sogenannte Heidenfeld“ als Fundstelle übernommen.
Die Fundstelle lag nach der Beschreibung von Peter Simon etwa 100 m östlich des damaligen Bahnhofs (siehe auch „weitere römischen Funde“).

In dem Beinamen Alibiahenae dieser Matronen sieht man einen Bezug zu der Fundstelle und dem Ortsnamen Elvenich. Diesen führt man zurück auf den gallischen Personennamen Albinus und ein Heim dieses Mannes, das als Albiniacum bereits 855 urkundlich erwähnt ist.
Aus der Silbe „Alb“ lässt sich ein Zusammenhang mit einem Fluss herleiten. Dieser kann hier lediglich der Rotbach sein. Somit wäre „Albinus“, sinngemäß „der vom Fluss“.

Weitere Funde

Die Matronensteine wurden etwa 100 Meter östlich des Bahnhofs gefunden. Dieses Gebiet dürfte die Wiese gewesen sein, auf der 1995 durch Erich Nimtz zehn neue Häuser in Oberelvenich gebaut wurden.

Die Fundstelle lag in einem dichten Buschwerk unter Ulmen. Der „Einwohner Heinrich Pichler“ soll beim „Abfahren seines Grundes“ auf einen zugeschütteten Brunnen gestoßen sein. Der Brunnen bestand im oberen Teil aus „schön behauenen und gut gefügten Tuffsteinen“, die auf einem stabilen Eichen-Pfahlwerk ruhten.

Beim Freilegen des Brunnens fand man viele Tonscherben, die als Dachziegel identifizier wurden.

Dort wurden auch die Matronensteine gefunden. Andere Fundstücke waren eine römische Goldmünze und diverse Glasperlen, die wohl zu einem Schmuckstück gehörten.

Etwa einen Meter vom Brunnen entfernt wurde ein Mauerrest freigelegt. An dieser Mauer lagen in Sand gebettet die Skelette von zehn Männer „von kräftiger Konstitution“. Zudem wurden vermutlich als Grabbeigaben die Reste dreier römischen Lanzen gefunden.

Vom Brunnen verlief ein gepflasterter Weg auf die Dorfstraße zu. 

Peter Simon beschreibt zudem den Fund eines Henkels von einem römischen Weinkrug mit dem weiteren Namensbeweis „Albinus Januarius“.

Quellen:

Sophie Lange: "Matronenverehrung im Zülpicher Land"

Peter Simon: Geschichte der Jülischen Unterherrschaft Bollheim, Köln, 1907

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